LACUS FELIX RELOADED… – überdimensionierter Seeblick, 7 Interventionen & eine Kanone – Teil3

Der eigentlich unter Denkmalschutz befindliche Seebahnhof musste in einer Nacht und Nebelaktion weichen, das Parkhotel einen Tag vor einer Begutachtung des Denkmalamts. Rasch stellte sich politischer Widerstand ein. Auch in der Bevölkerung hieß man das Projekt Lacus Felix nicht mehr gut, denn das ganze Projekt war von Anbeginn an begleitet von fragwürdigen Deals zwischen ÖBB, der Gemeinde, Politikern und dem zukünftigen Hotelerrichter. Als dann auch noch diverse vorgestellte Hotelbetreiber und Investoren absprangen, machte schließlich die Finanz- und Wirtschaftskrise 2008/09 dem Projekt komplett den Gar aus.

Goodbye, Parkhotel!

Sommer 2018

“Aufgabe der Verantwortlichen wäre in den vergangenen Jahren gewesen, Vertrauen in das Hotelprojekt zu schaffen. Doch das gelang weder der Investorenfamilie Asamer noch dem Rathaus.”

Quelle: Nachrichten der Initiative Denkmalschutz (Juni-Dezember 2013) Das harmonisch in die Uferlandschaft eingebettete Parkhotel am Seeufer des Traunsees in Gmunden wurde im Sommer 2008 abgerissen.

“Im Gegenteil: Das alte Parkhotel wurde genau einen Tag vor einer angekündigten Begutachtung durch Experten des Denkmalamts abgerissen. „Versehentlich“, wie Hans Asamer treuherzig erklärte.”

Protest von den damaligen Hotelbesitzerinnen gab es keinen, im Gegenteil es gab seit August 2005 fünf Vereinbarungen inklusive einer Abbruchsvereinbarung vom 28.07.2008

Quelle: Kaufvertrag Asamer – Holzinger vom 03. April 2012

978,50 EUR  pro m2 

(Asamer zahlt der Gemeinde 125,- EUR pro m2)

Am 30. April 2012 wird  die Liegenschaft  (6.132m2) den drei Schwestern endlich um 6.000.000,- EUR abgekauft.  3.400.000,- EUR sollen überwiesen werden.

Für die restlichen 2.300.000,- möchten die Schwestern 3 Wohnungen von jeweils 140 m2 Ausmaß zuzüglich einer über die gesamte Länge der Wohnung davorliegenden Terrasse mit min. 15 m2 Abstellraum und Tiefraragenplatz, plus Gästeparkplatz im Freien. Zusätzlich Ausstattungsbudget von 100.000,- je Wohneinheit.

Die Vorstellungen der Schwestern sind sehr spezifisch. Mitten im Hotelgebäude, drei übereinanderliegende Wohneinheiten mit Blick auf Schloss Orth.

Sollte das Hotel bis 15.11.2014 nicht gebaut werden,  gibt es zusätzlich zu dem Restkaufpreis von 2.300.000,- EUR eine

Pönalzahlung von 500.000,- EUR 

…Seeblick statt Parkhotel?

“Wieder einmal löst in Gmunden ein Bauprojekt heftige Diskussionen aus.”

Quid pro quo?

“Es ermöglicht allen drei Schwestern einen Seeblick”

Quelle: F2 Architekten – die “abgespeckte” Version

2014

Die Geschwister Barbara, Gabriele und Claudia Holzinger – ehemals Besitzerinnen des abgerissenen Parkhotels – wollen in der Satoristraße ein Wohnhaus errichten. Das Projekt im Krone-Garten ist aus Sicht der Anrainer aber überdimensioniert. Es ermöglicht allen drei Schwestern einen Seeblick. Doch dafür ragt das Gebäude weit aus dem Hang heraus. Auch seine architektonische Gestaltung empfinden die Nachbarn als Provokation.

Quelle: OÖ Nachrichten

natürlich genehmigt und 2017 fertiggestellt

F2 Architekten – bei denen weiss man, wie man Projekte “umsetzt”

Barbara Holzinger verspricht, alle Baubestimmungen einzuhalten. “Mir tut die Situation furchtbar leid”, sagt sie. “Aber es gibt kein Recht auf freie Aussicht für Nachbarn. Nach dem Abriss des Parkhotels haben wir jahrelang auf eigene vier Wände gewartet. Der Grund gehört uns, und wir möchten ihn endlich nutzen.

Christian Frömel von F2 Archtikten baute sich in Gmunden auch ein “Denkmal”, sein Eigenheim – das Stelzenhaus

Villa Frömel

(wie das Haus in der Branche genannt wird)

oder Frömel’scher Pfahlbau 

“Über dem Traunufer entstand vor kurzem ein Privathaus, dessen Säulenarchitektur viele Menschen in Gmunden empört. Der Bauausschuss hatte das Projekt durchgewunken.

“Wir ahnten nicht, dass das so aussehen würde”, sagt ein zerknirschter Gemeinderat.

“Da wurden wir ausgetrickst, und das passiert uns kein zweites Mal.”

Quelle: OÖ Nachrichten, Oktober 2014

Kann das Bauamt die Pläne nicht lesen !?

ausgetrickst?! vom F2 Architekten Frömel? Der in der ÖVP Zeitung Anzeigen schaltet!

Das Stelzenhaus kriegt gerade Gesellschaft, man darf gespannt sein… vielleicht übernimmt der Mettalbau-Nachbar den Pfahlbau-Look?!
Der schlaue Architekt hat allerdings einen Dienstbarkeitsvertrag aufsetzen lassen um seine Aussicht zu schützen. 

Zurück zu Lacus:
Wieso hatte Asamer es so eilig mit dem Abriss eines fremden Hotels? 

Vielleicht weil es über ein Jahr und sieben Interventionen gebraucht hat um den Seebahnhof los zu werden.

Goodbye, Seebahnhof!

Intervention 1: Der Bürgermeister Köppl (ÖVP)

Mit Schreiben vom 5.12.2005 informierte der Bürgermeister der Stadtgemeinde Gmunden den OÖ Landeskonservator, von Planungen eines Hotels unter anderem am Areal des Gmundner Seebahnhofes.

Der Landeskonservator wurde ersucht, zum Zweck der Hotelerrichtung, welche im wirtschaftlichen Interesse der Stadtgemeinde Gmunden sei, die Pläne zur Zerstörung des Seebahnhofes zu unterstützen.

Landeskonservator weist ab und leitet Köppl’s Schreiben an das Bundesdenkmalamt

Erste Reaktion beim Bundesdenkmalamt:

Abweisung

„…,so stellt auch der jetzige Baubestand ein bedeutendes Dokument der Wirtschafts- und Verkehrsgeschichte Österreichs dar. Eine beabsichtige Neunutzung des Bahnhofsareals müsste daher die denkmalgerechte Endbindung des Bahnhofsgebäudes beinhalten, wie dies bereits in vielen anderen Fällen gehandhabt wurde.

Der Abbruchantrag des Stadtamtes Gmunden ist daher nach Ansicht des Unterfertigten abzuweisen“.

Quelle: Aktenvermerk vom 14.2.2006 „Abteilung für Technische Denkmale“ des Bundesdenkmalamtes

Intervention 2: Ein Nationalratsabgeordneter

Am 2.3.2006  ersuchte der ÖVP-Nationalratsabgeordnete **** den Präsidenten des Bundesdenkmalamtes, HR DI Dr. Wilhelm Georg Rizzi, „in einer mir wichtigen Angelegenheit um Unterstützung”.

Intervention 3: Ein oberösterreichischer Landesrat

Viktor Sigl (ÖVP)

10.05.2006: “Als zuständiges Mitglied der OÖ. Landesregierung für den Tourismus in Oberösterreich darf ich mich in dieser Angelegenheit an Sie wenden und um Ihre bestmögliche Unterstützung ersuchen…”

6.6.2006: beantragte der RA Dr. *** (als Rechtsvertreter der antragstellenden Stadtgemeinde) Akteneinsicht und ersuchte um Verlängerung der Stellungnahmefrist, nach mehreren weiteren Anträgen dieses Rechtsanwaltes, wird die Frist schließlich bis 31.1.2007 (!) verlängert.

Diesen Herren kann man doch nicht “austricksen”

Schneditz der “Kanonier” im Hintergrund
mit Brustblech reich beschmückt

seit 1990 Mitglied des Gemeinderates der Stadt Gmunden und Vorsitzender des Bau- und des Rechtsausschusses

Gespannt hören Frau Hinterwirth und Herr Schneditz der Rede von Josef Pühringer zu

Foto-Quelle: Symposium: Geschichte und Zukunft von Cumberland

Foto-Quelle: Hinterwirth Architekten

Fun Fact: später lässt sich der “kronloyale” Anwalt, seine Kanone in ein Glashaus des Architekturbüros Hinterwith stellen. Der Denkmalschutz gilt nur für die eigenen vier Wände.

Foto: W. Kunasz Herzig

Intervention 4: Noch einmal der Nationalratsabgeordnete

21.06.2006 Gestützt auf eine Stellungnahme des Stadtplaners/Architekten Hinterwirth vertrat er die Auffassung, dass das Aufnahmegebäude des Seebahnhofes Gmunden ein kunsthistorisch bzw. architekturgeschichtlich unbedeutendes Bauwerk sei.

“Intervention” 5: Vorladung im Ministerbüro

In einem Aktenvermerk notiert der Präsidenten des Bundesdenkmalamtes folgendes: „Auf ausdrückliches Ersuchen des Ministerbüros Teilnahme an einer Besprechung im Gegenstand am 20.9.2006 ebendort; außerdem anwesend KR Hans Asamer als Betreiber des Hotelprojekts, Bürgermeister von Gmunden Heins Köppl, Dr. ****, Dr. ****, Frau ****.

Ein halbes Jahr vor dem Verkauf der ÖBB-Gründe an die Gemeinde oder dem Weiterverkauf an Hans Asamer, sind Asamer und Köppl im Ministerbüro gesessen und haben den Präsidenten des Bundesdenkmalschutzes “bearbeitet”.

1 Monat vorher beantwortet Minister Gorbach die schriftliche Anfrage betreffend ÖBB-Seebahnhof und Grundstücksverkauf am Traunsee in Gmunden

Kurzversion der Antwort von Gorbach: “ich sag nichts, fragen Sie die ÖBB.”
Die ÖBB hat die Anfragen nie beantwortet. (Langversion HIER)

In nur 3 Jahren schaffte der damaliger ÖBB Chef Huber den ÖBB Schuldenstand zu verdoppeln und bekam trotz frühzeitigem Abschied 820.000,- EUR ausbezahlt. 

Intervention 6: Der Oberösterreichische Landeshauptmann – Josef Pühringer (ÖVP)

07.12.2006 Der Präsident des BDA wird auf die “Wichtigkeit dieser Errichtung nicht nur für die Stadt sondern für den gesamten Bezirk Gmunden” hingewiesen und um “wohlwollende Prüfung” ersucht.

“Intervention” 7: Wirtschaftskammer Oberösterreich

Am 09.01.2007 schreibt RA Dr. *** als Rechtsvertreter der Gemeinde Als einzig möglicher und sinnvoller Standort kommt das Gelände des Seebahnhofs in Gmunden in Frage.” Wieder verweist er auf die Äußerungen des Architekten DI Hinterwirth. Dem Schreiben liegt eine Stellungnahme der Wirtschaftskammer Oberösterreich bei, in der wiederum die wirtschaftliche Bedeutung des Hotelprojekts betont wird.

“einzig möglicher und sinnvoller Standort”

Spannend, dass 14 Jahre nach dem Alles zerstört, nichts gebaut und die Gemeinde um einige Millionen erleichtert wurde, nun auf diesem “einzig möglichen Platz” eine “abgespeckte” Version eines Hotels präsentiert wird, der Rest mit Wohnungen zugepflastert und der Hauptstandort des Nobel-Hobel-Luxus-Wir-Brauchen-Es-Um-Jeden-Preis-Hotels von den Architekten Hinterwirth beim Landschloss Orth geplant wird. 

Mehr in unserem Beitrag: “Ein Hoteldrama in sieben Streichen – der erste Streich” & “Ein Hoteldrama in sieben Streichen – Update

Letzte Verteidigung

21.02.2007: In seiner Stellungnahme (…) betont der OÖ. Landeskonservator nochmals die nach wie vor gegebene denkmalschutzrechtliche Bedeutung des SeebahnhofsEr stellt klar, dass „das Erfordernis einer der Stadt Gmunden entsprechenden zeitgemäßen Hotellerie seitens des Bundesdenkmalamtes nie bestritten wurde“. Er hält aber auch fest, dass die Notwendigkeit der Zerstörung keinesfalls belegt werden konnte. Vielmehr sei man offensichtlich „von Anfang an davon ausgegangen, dass der Seebahnhof ‚geopfert’ werden kann.

7. März 2007 – Gemeinderatssitzung

Endlich gehört der Grund Hans Asamer

OÖ Landeshauptmann Josef Pühringer (ÖVP) meinte, die Renditen im Tourismus seien so gering, dass man in Oberösterreich kaum noch investieren könne – dem mutigen Hotelinvestor Asamer wollte er angeblich mit 5,4 Millionen Euro Förderung unter die Arme greifen. Das Geld wäre aus dem Fonds des Landes für kleine und mittelständische Betriebe gekommen, zu denen das Unternehmen Asamer definitiv nicht gehört. Eine Gmundner Bürgerinitiative machte die Wettbewerbsbehörde der EU in Brüssel auf dieses Vorhaben aufmerksam und verhinderte die Transaktion.”

…die Renditen im Tourismus seien so gering, dass man in Oberösterreich kaum noch investieren könne…

deshalb baut Gmunden gleich zwei neue Hotels?!

22. März 2007

“In der Folge ist ein aus den Akten nicht erklärbarer Meinungsumschwung beim Bundesdenkmalamt zu beobachten”

Quelle: “Missstandsfeststellung der Volksanwaltschaft – 4. April 2008”

Am 16.4.2007 schiesst der Rechtsanwalt der Gemeinde ein Gutachten des Vorstand des Instituts für Sozial- und Wirtschaftsgeschichte der JKU Linz (aka. “Kaderschmiede”) und eine erneute ganz ähnliche Stellungnahme des Stadtplaners Architekten DI Hinterwirth nach.

Übrigens am 17. September 2007

gründet der Stadtplaner DI Gerhart Hinterwirth endlich seine eigene Firma HINTERWIRTH Architekten Ziviltechniker OG

Adieu Denkmalschutz, Hochwasserschutz & Umweltschutz…

Volksanwaltschaft – Mai 2007

Volksanwältin Stoisits kritisierte, dass die durch Verordnung der Stadtgemeinde Gmunden erlassenen Änderungen gegen das im Gesetz etablierte absolute Verbot verstoßen, im 30-jährlichen Hochwasserbereich Bauland zu widmen.

ORF-Sendereihe „Bürgeranwalt“ – 1. März 2008

Umwidmung zu Lasten des Hochwasserschutzes – Hotelprojekt ohne Umwelterheblichkeitsprüfung

Missstandsfeststellung der Volksanwaltschaft – 4. April 2008

“Nach der in der bezughabenden Missstandsfeststellung dokumentierten einhelligen Auffassung des Kollegiums der Volksanwaltschaft geht aus den Akten des Bundesdenkmalamtes hervor, dass die gegenständliche Bewilligung

unter gravierender Verletzung von Verfahrensvorschriften und auch inhaltlich unrichtig bzw. aktenwidrig erlassen wurde.”

Trotz Rechtswidrigkeit keine Einspruchsmöglichkeit

Gemäß § 26 DMSG kommt Parteistellung nur dem Landeshauptmann, Bürgermeister und dem Eigentümer zu. Da alle für den Abriss interveniert hatten, gab es seitens der Genannten kein Interesse den inhaltlich rechtswidrig zustande gekommenen Bescheid anzufechten.

Bericht des Rechnungshofes – Mai 2008

Der Rechnungshof rügt im Bericht, den Liegenschaftsverkauf, Seebahnhof Gmunden seitens der ÖBB.

25. Juni 2010 – Asamer baut nicht

Die Asamer-Toskana Hotelerrichtungs KG teilt im Juni 2010 mit, dass sie von der bestehenden Baubewilligung vom 26.06.2008 keinen Gebrauch macht.

Verzicht auf Konventionalstrafe:
Einnahmen-Entgang für Gemeinde: 2.000.000,- EUR

(für die 3 Wohnungen der Parkhotel-Schwestern waren 500.000,- EUR Strafe vereinbart)

Gmunden – Vorchdorf

Fotos: Eröffnungstag am Seebahnhof. 27. Mai 1990, © Robert Schrempf

Quelle: OÖ Nachrichten

Weg damit! Entrümpeln befreit

“Obwohl Asamer bekannt gibt, dass er die Baugenehmigungen nicht nutzen wird, erfolgt der Abbruch des ehemals denkmalgeschützten Bahnhofes am 2. September 2010, unmittelbar vor Erlöschen der Abrißbewilligung.”

zum Teil auf Kosten der öffentlichen Hand

Gmunden Seebahnhof  im August 1987 ,  Foto: Horst Lüdicke

Fotos: Eröffnungstag am Seebahnhof. 27. Mai 1990, © Robert Schrempf, Archiv Otfried Knoll

Nach dem Abriss im September schreibt die Volksanwaltschaft:

“… es sei bisher kein Fall bekannt geworden, in dem eine Antragstellerin ein bestimmtes Projekt als Vorwand für die Bewilligung der Zerstörung eines denkmalgeschützten Gebäudes missbraucht hätte…”

Was wurde aus dem aufmüpfigen Präsidenten des Bundesdenkmalamtes?

sein Vertrag wurde im März 2008 nicht verlängert, er verabschiedete sich in die Frühpension

“Asamer Methoden”: Seebahnhof & Parkhotel erinnern an eine andere “versehentliche” Baggeraktion… 

Aber das ist eine ganz andere Geschichte. Mehr darüber im Beitrag “Italienische Methoden aus Leonding

Für Alle Beteiligten gilt die Unschuldsvermutung