Das Kur-Märchen am See oder das “Hotel” System?!

Goodbye, Arcotel!

…der Anfang eines 2,3 Milliarden Schilling Kriminalfalls 

Kennen Sie das “Hotel” Märchen?! Bei dem man der Bevölkerung ein Hotel verspricht, dieses sich aber irgendwann in Wohnungen verwandelt. Das haben hier schon einige versucht. Dazu mehr in unserem Mehrteiler “Lacus Felix Reloaded” (das Ende wird besonders spannend!)

Zwei mal ist dieses Märchen bereits Wirklichkeit geworden. Werden gerade zwei neue Versuche vorbereitet?!
In diesem Beitrag erfahren Sie von einem dieser Fälle. Auf Gemeindekosten wurde ein Kurhotel gekauft und saniert, ein paar Jahre betrieben, für unrentabel erklärt und verkauft.

Besonders spannend ist es wer die Käufer waren… und was sie mit dem größten Wirtschaftsskandal der zweiten Republik zu tun haben!

…machen Sie sich einen Tee oder darf’s etwas Stärkeres sein?

Hier kommt das Märchen vom Kurhotel…

“Wo sind sie geblieben, was ist geschehn?”

wo war die Tourismuslobby, wo ist sie geblieben als:

  • vor Zeiten das Hotel Bellevue an der Esplanade ein Amtsgebäude, jetzige Bezrikshauptmannschaft, wurde ?
  • das Arcotel in der Satoristraße zu Wohnungen pariziert wurde?
  • das im Zentrum am besten Platz liegende Hotel Austria durch die Firma AREV in Privatwohnungen umgewandelt wurde?
  • das Hotel Moosberg ersatzlos abgerissen wurde?
  • das Parkhotel von den Schwestern Holzinger jahrelang nicht mehr betrieben wurde, und so zu einem Schandfeck Gmundens verkam und von Herrn Asamer abgerissen wurde? (Anm. Red.: Kauf- und Abrissvereinbarungen seit 2005 mit den Schwestern)
  • das Hotel Marienbrücke vor nicht allzu langer Zeit stillschweigend entschlafen ist?

Lesebrief salzi.at: 1. 12.2013, Elisabeth Rumpf, Gmunden

Im Jahr 1960 kauft die Gemeinde Gmunden das Kurhotel
um ca. 3.000.000,- Schilling

Ohne die Kosten für den Umbau und den Zeitplan abschätzen zu können und ohne Pächter oder Leiter startet man 1963 mit dem Projekt.

Dieses Unterfangen wird in 10 Jahren

ca. 17.000.000,- Schilling an Steuergeld verschlingen

(inklusive Landesförderungen)

25. April 1963

Umgestaltung und Renovierung des Kurhotels

… Der ungewöhnlich lange und strenge Winter hat sich allerdings auch hierbei nachteilig ausgewirkt, so daß derzeit noch nicht gesagt werden kann, wann mit der Inbetriebnahme des Hotels zu rechnen ist. Es war auch noch nicht zu erfahren, mit welchem Kostenaufwand die Gemeinde das neu erworbene Haus adaptiert und wer mit der Führung des Hauses betraut wird… … Im südostseitigen Abschnitt des Gebäudes werden ähnlich wie im bereits ausgebauten Obergeschoß, Appartements eingerichtet…

13. Juni 1963

Erste Phase

… Die erste Bauetappe mit einem Kostenaufwand von 1,4 Mio Schilling wird bis Ende Juni abgeschlossen… Das Haus wird im Juli-August für die Fremdenbeherbergung bereitstehen. Die Führung übernehmen Hotelier Nöstinger (Schwan) und Direktor Pfletschinger (Austria). Im Herbst soll die zweite Bauetappe, Fertigstellung des Osttraktes folgen… um vielleicht im Sommer 1964 mit einem “schwachen Kurbetrieb” beginnen zu können. … das zweite Großprojekt ist das “Kongreßhaus”…

6. Dezember 1963

Kurhotel-Instandsetzung

… Es ist zu beachten, daß in der nächsten Saison schon 95 Betten zur Verfügung stehen und daß daher rechtzeitig mit der Werbung begonnen werden soll. Es währe daher von entscheidender Bedeutung, wenn im Jahr 1964 für den Bau des Kurhotels und des Kurmittelhauses 2,5 Mio. Schilling aufgebracht werden können…

20. August 1964

Kurhotel als “hotel garni” in Betrieb

… Nach Abschluß der zweiten Bauetappe, stehen sämtliche 82 Betten in modernst ausgestatteten Zimmern und repräsentative Gesellschaftsräume den Gästen Gmundens zur Verfügung. In der dritten, im Herbst 1964 beginnenden Bauetappe, soll das Kesselhaus für die Zentralheizung installiert und die Hotelküche mit Wirtschaftsräumen modernst eingerichtet werden, so daß das Kurhotel zu Saisonbeginn 1965 als Vollhotel dem Fremdverkehr dienen kann.

Als vierte Bauetappe schließt dann die Errichtung des Bädertraktes an… (fand nie statt !!!)

Zur Führung des Kurhotels wurde als Übergangslösung eine Hotel-Betriebsgemeinschaft gegründet, die sich unter Leitung von
Sepp Nöstlinger sen. (1942–1945: Bürgermeister während des Nationalsozialismus)
aus den Hoteliers Dir. Pfletschinger (Austria),
Turnbruder Grabner sen. (Großvater des Gemeinderates und Immobilienmaklers Gabriel Grabner, der auch gerne der nächste Bürgermeister wäre)
und Nöstinger jun. zusammensetzt.

Zur Aufnahme des Kurmittelbetriebes ist es nie gekommen!

Im Jahr 1966, nach nur 2 Jahren in Betrieb, denkt man bereits über den Verkauf nach, der Betrieb des Kurhotels wirft für die Gemeinde nichts ab. Es wird eine private Betriebsgesellschaft gegründet.

Nach einer kurzen Sperre 1967 gibt es einen neuen Direktor des Kurhotels. Zum Einstand feiert man HOCHBETRIEB.

Trotz guter Auslastung berichtet der Finanzreferent 1969 über die Verluste der Gesellschaft.

Die letzten 3 Jahre führt die Stadtgemeinde das Haus über einen Geschäftsführer selbst.

Die Saison 1970 ist von Mai bis September AUSGEBUCHT. 

Man schreibt das Hotel zum Abverkauf in internationalen Zeitungen und Fachzeitschriften aus.

Die verschiedenen Kontaktgespräche zogen sich jahrelang hin und es fehlte nicht an Interessenten.

Im Juni 1972 kommt es zum Verkauf. 

“… Groß auf dem Gmundner Realitätenmarkt eingestiegen ist die Salzburger Bautreuhand Vereinigung für Wohnungseigentum GmbH. Sie tritt als dreifacher Käufer in der Traunseestadt auf. Von der Stadtgemeinde erwirbt sie das Kurhotel und über 16.000 m2 Bauareal unterhalb der “Fliegerschule”…”

Kaufpreis für Kurhotel: 8.000.000,- Schilling 

Der Kaufpreis wird nicht bar erlegt, sondern es wird eine Bankgarantie gegeben.

Wer ist die Salzburger Bautreuhand Vereinigung für Wohnungseigentum GmbH?!

Wieso wird mit Bankgarantie bezahlt?

Kennen Sie die WEB-Prozesse?! sollten Sie, dass ist die gerichtliche Aufarbeitung des WEB-Bautreuhand-IMMAG-Skandals

Die Firma Salzburger Bautreuhand Vereinigung für Wohnungseigentum GmbH wird

im August 1971 nur 11 Monate vor Ihrem Großeinkauf in Gmunden gegründet

und ist der Anfang eines Riesensbetrugs und des teuersten Strafverfahrens der Zweiten Republik

“Schadenssumme: 167 Millionen Euro – damals für viele unvorstellbare 2,3 Milliarden Schilling”

Quelle: Der Standard

Gründer:  

Hans Zyla – Ex-ÖVP-Landtagspräsident aus Salzburg

Siegfried Schider – Führer des Bannes I der HJ und Oberstammführer, Verfasser des Buches “Salzburger Kulturtage der Hitler Jugend”

und Concentra Treuhand- und Verwaltungs-AG 

Im Kaufjahr stellt man noch eine Weiterführung des Kurhotels oder Errichtung eines Pensionistenheimes in Aussicht.

Jänner 1973

Nur 6 Monate später hat man eine bessere Idee, das alte Kurhaus und die Frauenklinik sollen abgerissen werden. Vielleicht kommen Ihnen die folgenden Zeilen bekannt vor?!

“Das neue Kurhotel”,

so der bereits fixierte Name des geplanten Hotels der 1a-Kategorie mit rund 200 Betten wird etwa um die halbe Hotelbreite zurückversetzt. Die fünf Geschosse werden terrassenförmig nach vorne bzw. hinten gestaffelt. Das Obergeschoß ist einem Dachrestaurant mit voller Aussicht auf den Traunsee vorbehalten. Dem Hauptbau vorgelagert sind ein Hallenbad und Therapieräume (Sauna, Massage, Kosmetik, Fitneß). Die an der auf drei Fahrbahnen verbreiterten Satoristraße errichtet werden. Drei Meter unter dem Strassenniveau ist eine Tiefgarage für 120 PKW vorgesehen.

Kosten: 80 Mio. Schilling, Bauzeit: 3 Jahre

Anstelle der “Frauenklinik” werden zwei terrassenförmige Wohngebäude mit insgesamt 90 Eigentumswohnungen entstehen.

Planung und Bauleitung sind Architekt und Turnbruder Hinterwirth übertragen worden. 

Quelle: “Gmundner Chronik Band II, von Altbürgermeister OSR Erwin Herrmann” 

Das Hotel wird nie umgesetzt, nur die Wohnungen.

Das Geld ist bereits damals nur in Form von Bankgarantien und Krediten vorhanden.

“Loch auf, Loch zu”-Methode. Im Firmengeflecht wurden über Verrechnungsräder große Summen hin und her verschoben, um so Liquidität vorzutäuschen.

Das Pyramidenspiel hat längst angefangen:

So verkauft man das Arcotel und den Garten im Jahr 1977 (also 5 Jahre nach dem Kauf) an eine andere eigene Firma der WEB-Gruppe (Insgesamt hatte das Firmengeflecht rund 80 Teilfirmen gezählt)  

und zwar um 14.700.000,- Schilling also um fast 84% teurer als von der Gemeinde Gmunden gekauft. 

8,2 Mio. Schilling werden für die Übernahme eines Kredites der ersten Firma verbucht

Für beide Firmen unterschreibt der Bannführer Siegfried Schider 

“Circa 25.000 Anleger wurden ganz oder teilweise um ihr Geld geprellt, zahlreiche Firmen mussten Konkurs anmelden”

Quelle: “Ein Wirtschaftskrimi im Polit-Filz”

Zur Erinnerung:

Die WEB-Gruppe beginnt 1975 damit, sogenannte Hausanteilsscheine als Anlageprodukt anzupreisen. Anlegern werden hohe Renditen versprochen. Die Produkte werden von verschiedenen Bautreuhandgesellschaften verkauft. Während sich die Hausanteilsscheine gut verkaufen, können sie am Finanzmarkt kaum Gewinne erzielen.

Nach außen wird der Konzern als solide Unternehmensgruppe dargestellt, die ihren Anlegern beste Renditen garantieren könne. Dazu trägt ein dichtes Geflecht an Verbindungen zu Banken und Politik bei – Gründervater war Ex-ÖVP-Landtagspräsident Hans Zyla. Laut Gutachtern ist das Imperium bereits Ende 1983 zahlungsunfähig. Die Lizenz zum Weitermachen bringt ein Moratorium der Regionalbanken Sparkasse, Raiffeisen und Hypo. Diese stunden bis Mitte 1985 Rückzahlungen von 600 Mill. S. Zur “Sanierung” werden Tausende Anleger geworben. Mit frischem Geld werden alte Ansprüche abgedeckt.

Ab 1988 mehren sich die Warnungen, dass der Salzburger Immobilienkonzern um WEB, Bautreuhand und IMMAG Versprechungen gegenüber Anlegern nicht erfüllen könne. Zum Einsturz bringt das Imperium dann eine Strafanzeige der Salzburger Arbeiterkammer am 28. Juni 1989 gegen etwa 30 Personen – von den Eigentümern über Manager und Vielfach-Geschäftsführer oder Buchhalter bis zu führenden Bankmanagern – wegen Betrugs und Untreue.

Quelle: SalzburgWiki “WEB-Prozess”

Überraschung!

Während man 1972 das Kurhotel an die Großspekulaten verkauft

gibt es im gleichen Jahr grünes Licht für das Kurhaus mit Hallenbad, also letzten Endes auch Wohnungen

Wieder  Turnbruder Hinterwirth… 

Hinterwirth ein Garant für pittoreske Stadtgestaltung.

Die Langlebigkeit der ach so wichtigen und angepriesenen Hotelprojekte lässt allerdings zu wünschen übrig.

Wie beruhigend, dass die Turnfamilie “Architekten Hinterwirth” sich, des Letzten was Gmunden noch geblieben ist, angenommen hat und sich um die “Entwicklung” des Hotels im Landschloss Ort kümmert. Investor und Betreiber werden nicht verraten. 

Zwei neue “Märchen” noch im März?! 

Sportbürgermeister – Top motiviert die Stadt weiter zu entstellen

Wer braucht Transparenz?! Ein neuer juristischer Weg?!

2021-03-24T17:59:52+00:00
Go to Top