Gmunden wehrt sich!

In den letzten Tagen hat die Redaktion besonders viel Post bekommen. Vor allem zum Thema “Riesenparkplatz statt Biotop”.

Die Highlights möchten wir Ihnen nicht vorenthalten.
z.B. die Audioaufnahme der öffentlichen Sitzung des Gestaltungsbeirates vom 12. Februar 2021.
Aus rechtlichen Gründen veröffentlichen wir nur das Transkript, aus zeitlichen Gründen nur die zwei relevanten Passagen aus der zweistündigen Sitzung.

…nach einer Stunde möchten die Projektbetreiber schon zusammenpacken. Das Hotelprojekt wurde vorgestellt.
Der Vorsitzende des Gestaltungsbeirates hilft nach, man hat auf den Landschaftsplaner vergessen… 

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Es spricht Turnschwester Inge Hinterwirth:

“Ah so ja, unser Landschaftsplaner muss noch sprechen, der ist jetzt extra eingetroffen…
…ja das ist natürlich ganz wichtig… das erzähle ich jetzt…. wir gehen jetzt vielleicht ehhh….
… der Herr Dr. Benesch wurde… ich hab mich jetzt vertippt…
(liest)… wie bereits in der letzten Sitzung angemerkt wird seitens des Gestaltungsbeirates auch auf die Grünraumgestaltung ein wesentliches Augenmerk gesetzt daher wird die Einbeziehung eines Landschaftsplaners empfohlen…
… das hamma halt natürlich gemacht… und zwar, wie sind wir zum Dr. Benesch gekommen…? es gibt…
…also es hat auch eine Begehung mit dem Denkmalamt gegeben…
… ehhh der Toscanapark ist ja ein ganz ganz wichtiges Naturjuwel, was wahrscheinlich den wenigsten Menschen überhaupt bewusst ist, dass das hier so nahe vorhanden ist und das müssen wir eh… ehh verbessern, wir müssen es besser pflegen und hierzu haben wir sehr intensive Gespräche geführt mit dem Gerd Bichler der beim Bundesdenkmalamt in Wien zuständig ist für diese 12 oder 13 wirklich historischen Parkanlagen die es in Österreich gibt und wir… unser Ziel ist es diesen Toscanapark wieder zu machen wie es ihm zusteht. Also die Pflege der letzen zwanzig Jahre ist eigentlich sehr vernachlässigt worden wenn man es so ausdrücken möchte…

…ehhh und der Herr Doktor Bensesch wurde uns eben auch…. ehhh er ist Spezialist für Englische Parkanlagen (spricht in Richtung des Landschaftsplaners, weg von der Aufnahmerichtung) …also natürlich auch Spezialist für andere Sachen…
…. haben wir uns gedacht wir möchten das eigentlich so, dass die Halbinsel Toscana wieder als Ganzes wahrgenommen wird und der Toscanapark und die neue Hotelanlage sollen auch vom Grünraum her als Ganzes betrachtet werden und da ist es für uns ganz naheliegend gewesen jetzt auch diese Überlegungen und Konzepte ehhhh mit dem Herrn Dr. Benesch zu entwickeln und er hat sich ja auch natürlich historisch sehr stark mit der Halbinsel beschäftigt und kann hier wirklich ehhhh sein Fachwissen ehhhhh…. (Pause)
…also… und ehhh es gibt viele Elemente im bestehenden Toscanapark ehhh… die ehhhh die mit Absicht verwendet worden sind… diese Elemente weiter zu führen in der neuen Hotelanlage ist für uns wichtig… das vielleicht neu zu interpretieren und sich vor allem mit der Geschichte dieses Toscanaparks entsprechend auseinander zu setzen und vor allem mit unserem Bauplatz, geschichtlich auseinander zu setzen, wie das von der Bepflanzung war und was für Funktionen es gehabt hat und wie wir das jetzt bestmöglich einbetten in diese Voraussetzungen…. das wird jetzt… eh… Ihnen der Herr Dr. Benesch ehhh… (Pause) …vermitteln…”

…ganz ganz wichtiges Naturjuwel, was wahrscheinlich den wenigsten Menschen überhaupt bewusst ist, dass das hier so nahe vorhanden ist und das müssen wir eh… ehh verbessern

Auftritt Herr Benesch aus Melk

Foto: Zbiral 

Alfred Benesch, geboren 1964, Studien Landschaftsplanung und Ökologie in Wien. Seit 1990 freischaffender Landschaftsarchitekt und -ökologe, “Kultur-Land-Schaffender” u.a. zur Kulturgeschichte von Klöstergärten.

Seine Homepage ist nicht erreichbar – landschafft.net

Das letzte eingetragene Projekt bei ORTE Architekturnetzwerk Niederösterreich ist die Landschaftspflegerische Begleitplanung und Bauaufsicht Güterzugumfahrung St.Pölten, 1999 – 2018 – © land.schafft

Palme im Ziegelmeer

Vor zehn Jahren hat er uns seine Kollegen dieses Werk mit dem pittoresken Namen “jardin.mediterraneen” geschaffen – Weltkulturerbe Stift Melk, 2011 – © land.schafft

nach dem kraftvollen Auftritt der Turnschwester kommt ein sehr langer und lähmender Vortrag über die Geschichte des Parks und den Nepomuk der nicht mehr sichtbar ist, der Vortragende wird immer leiser und schwieriger zu verstehen. Es entsteht der Eindruck, er ist am einschlafen… endlich am Schluss seiner Rede spricht er über die Highlights…

Seelacke für Faule im Luxusreservat… verwaldet… Bird Watch Tower

“…bleibt noch der Teilbereich vorne der zwischen Strasse (öffentlich) und dem eigentlichen SPA Bereich, in der Ebene nämlich liegt, und da war unsere Grundhaltung die, ich bin zwar im SPA herinnen und schau hinaus, aber mir fehlt der See – ich seh den See nicht. Ich bin aber im Schloss Hotel am See, also wo kann ich den See erleben, auch wenn ich nicht hinausgehe oder nur hier oben stehe… da war die Idee, dass wir so eine Art “vorgezogene” (Anm. Red.: Wort ist unverständlich) Seelacke nehmen, also wie ein Lagunen-System, das es ja früher hier herum gegeben hat… einfach eine Wasserfläche schaffen, eine relativ große, mit einer Liegefläche rundherum, eine schräge… das ist eine stark modellierte Fläche, wo ich auch so eine Art Zonenfokus habe… wo ich mich da reinlegen kann und mit dem Wasserspiegel die Reflexion hier über die Anlage bringe.

ja genau das habe ich jetzt vergessen zu sagen, wir haben ja da eine Reihe von schönen Altbäumen am Ufer, die ja sehr wertvoll sind auch für die Nutzung der Uferzone als Tourist… die soll wieder freigestellt werden, weil sie von unten her völlig verwachsen ist, dass muss man sagen, dass hier die letzten dreißig, vierzig Jahre nichts passiert ist seitens der “FAS” (Forstliche Ausbildungsstätte Ort?), und das ist alles verwaldet ja, und die schönen Einzelbäume die einmal waren, die sind alle (schon) von unten zugewachsen. die sind jetzt alle aufgemessen, werden erhalten und da herüben in dem Bereich wird sowieso nichts angegriffen……dann beim “Burghafen” da liegt ziemlich viel kaputtes Zeug drinnen herum, auch in “Ehre” der Vorgänger, das wird sozusagen aufgeräumt, aber das ist sozusagen der Übergang vom Wald zur Wiese zum Rasen zum eigentlichen Garten… ja und das war die Grundidee, dass wir von der Naturschutz-Gebietsfläche weg eine Fundierung haben… (die einer intensiveren Nutzung?)

… und da wird zB. als Detail nur… eine bestehende Hütte so adaptiert, dass es ein Bird Watch Tower wird (Vogelbeobachtungsturm beim gerodeten Biotop – ein Scherz?!) , wo man sich reinsetzten kann, Vögel schauen kann, weil diese Ecke von der Orter Bucht ist ja auch geplant, dass ist ja auch geplant für die Wintergäste, d.h. wir wollen einfach schaffen, dass es nicht nur für den Sommer ist zum Pool-Liegen, das sind ja nur 2-3 Monate, sondern, dass die Gäste hier auch rausgehen können und diese Uferqualität naturnah erleben können, das ist schon ein Starker Hintergrund und nicht so zusagen, dass das Hotel gestalterisch bis an den See geht…”

Die Errichtung eines Parkplatzes in einem zentralen (wenn auch als Bauland gewidmeten) Waldgebiet, das der Naherholung dient, ist weder zeitgemäß noch sinnvoll

Quelle: Stellungnahme der Oö. Umweltanwaltschaft (26. Mai 2021)

Krapf weiss es besser:

Obwohl als Baubehörde 1. Instanz der Sportbürgermeister kein Fan von Gutachten ist und diese größtenteils ignoriert und der Baustadtrat angibt das die Errichtung eines Parkdecks kein Problem wäre (siehe Schreiben unten), gibt der Bürgermeister folgendes bei der Pressekonferenz bekannt.

Das Errichten eines Parkdecks auf den bestehenden Parkplätzen ist laut eines geotechnischen Gutachtens nicht ökologisch, da für dessen Fundamentierung 10 Meter tief betoniert werden müsste. Auch wirtschaftlich ist diese Variante in keiner Weise darstellbar oder sinnvoll.

Quelle: Facebook

Quelle: Stadtgemeinde Gmunden  //  Fotocredit: © Stadtgemeinde Gmunden

Noch immer kein Wort zu Transparenz,  Investoren und Betreiber

“Hochwasserzone & Umweltkatastrophe?!” 

Passend zum Thema ist das Kanalsystem am 6. Juni 2021 überlastet

In den Sozialen Medien entsteht eine Diskussion über HQ30 Zone (dh. für dieses Areal nahe dem Naturschutzgebiet besteht eine sehr hohe Gefährdung, bei einem 30-jährlichem Hochwasser überflutet zu werden. Zusätzlich dient die Orter Bucht als natürliche Überflutungsfläche, quasi ein natürliches Retentionsbecken)

“In einem hochsensiblen Ökosystem sollen über 6.000qm Fläche für Parkplätze neu versiegelt werden. Dies entspricht 1/3 des dortigen Auwaldes, der nicht nur im Falle eines Hochwassers als Überschwemmungszone ausgewiesen ist, sondern auch ein Naherholungsgebiet darstellt. Eingebettet inmitten eines Naturschutzgebietes.”, schreibt der NEOS Bürgermeister Kandidat.

Copyright: Facebook

Privatrechtliche Vereinbarung zwischen der Bundesimmobiliengesellschaft und den Hotelprojektanten 

Auf die Bitte einer engagierten Bürgerin sich für den Erhalt des Naherholungsgebietes einzusetzen, kommt die folgende Antwort vom Baustadtrat.

Parkdeck doch möglich?! Was ist mit Krapf’s Gutachten?

Ah ja! Die BIG, die Cash Cow der ÖBAG

Private Luxusparkplätze vs. öffentliches Parkdeck

Der frisch zurückgetretene Kurz-Intimus Thomas Schmid Chef der Staatsholding ÖBAG

Die türkise “Familie”

Baustadtrat “Cheesy” Kassmannhuber träumt von 1958

Beim Vortrag des Landschaftsarchitekten dürfte Herr Bau-Lobbist und Diplomierter Maschinenbauer besonders gut aufgepasst haben.

Back to 1958

Flugzeug Landung am Traunsee!

Quelle: Gmundner Chronik 

Erhält Gmunden ein neues Wahrzeichen?

Völkerwanderung auf dem Traunsee!

Das Klima lässt grüßen! 

Darf nicht fehlen –

Hotelprojekte aus denen Wohnungen wurden:

Handelskammer kauft Hotel “Austria”

Gmundens größtes Hotel wird hoffentlich Saisonhotel und Berufsschule

Gemeinde kauft Kurhotel

mehr darüber in unserem Beitrag “Das Kurmärchen am See”

Gegenpol zum Seekraftwerkbau

Bürgerprotest!

Natürlich gibt es ein Hochwasser

Noch ist nicht viel verbaut. Statt dem SEP gibt es Wiesen, noch stehen das Parkhotel, der Seebanhof und die Kösslmühle…

Wir kommen der Bitte unserer Leserin nach diesen offenen Brief zu veröffentlichen 

An Herrn Vizekanzler Werner Kogler

Sehr geehrter Herr Vizekanzler,

In höchster Dringlichkeit erlaube ich mir, mich persönlich an Sie zu wenden, da in Gmunden im Zuge eines Hotelprojektes beim Landschloss Orth ein Naturbiotop beim Toskanapark  im Ausmass von ca. 16.000 m2 gerodet werden soll für die Errichtung eines überdimensionalen Parkplatzes von 256 Autoparkplätzen.  Dieses Grundstück befindet sich im Besitz der Bundesimmobiliengesellschaft und wurde vor einigen Jahren im Gemeinderat in Bauland umgewidmet.  Genaueres über das Abstimmungsverhältnis, für das vor allem die ÖVP im Gemeinderat verantwortlich ist, müsste man im Protokoll der damaligen GR Sitzung nachsehen.  Ich bin seit 2015 als Gemeinderätin in 3 Ausschüssen für die Grünen tätig.  Ein Dringlichkeitsantrag der Grünen in der GR Sitzung im März 2021, eine für die Umwelt verträglichere Lösung anzustreben,  wurde mehrheitlich (die ÖVP hat die absolute Mehrheit im GR) abgeschmettert.  Darauf bildete sich eine Bürgerbewegung,  die auch eine OnlinePetition startete und an den Bürgermeister Krapf (ÖVP) gerichtet ist, die bisher schon über tausend  Personen aus ganz Österreich unterschrieben haben.  Ausserdem wurde eine Liste von über 100 Unterschriften dem Bürgermeister überreicht, sodass dieser Bürgerantrag im Gemeinderat behandelt werden muss.

Gmunden bekannte sich als  Klimabündnisgemeinde, aber es handelt sich scheinbar nur um ein Lippenbekenntnis.  Es wird kaum irgendwo in Österreich so viel an Boden versiegelt und Grünland in Bauland umgewidmet wie in Gmunden.  Wir haben ca. 30 % aller Wohnungen und Häuser an Zweitwohnsitzen. Für die einheimischen Bewohner ist Gmunden nicht mehr leistbar und sie müssen daher abwandern.

Bitte, Herr Vizekanzler, helfen Sie uns, dass dieses Naturjuwel nicht für einen Parkplatz geopfert wird.  Laut Auskunft von einem Bau-Ausschuss-Mitglied  kann nur mehr der Bund intervenieren, da das Grundstück im Eigentum der Republik ist. Die Grünen in Gmunden sind ja sehr aktiv, aber leider sind sie zahlenmässig  im Gemeinderat nicht stark genug.  Die Obfrau der Grünen in Gmunden ist Frau Dr. Ulrike Feichtinger.

Es sei noch erwähnt, dass sich ein starker Widerstand aus allen Teilen der Bevölkerung gegen diesen Bodenfrass gebildet hat und es wird voraussichtlich im Falle einer  Rodung massiven Widerstand mit Aktionen geben, der an das Kraftwerk Hainburg erinnern könnte. Auch Hainburg war eine beschlossene Sache, aber der Widerstand der Bevölkerung hat diese Zerstörung der Natur verhindert.  Das war die Geburtsstunde der Grünen, ich habe es nicht vergessen.

Ich vertraue auf Ihre Hilfe und verbleibe mit herzlichen Grüssen aus Gmunden am Traunsee

Margareta Enser-de Groot

Widerstand in der Bevölkerung wächst

Hier die Online Petition:

ANSEHEN

Am Montag 14. Juni findet um 14 Uhr 30 die Bauverhandlung über den Parkplatz statt.

“Diesbezüglich laden wir recht herzlich jede Person ein, der das Waldstück wichtig ist, vorbeizukommen und mit Schildern zu zeigen, dass der Wald so bleiben muss wie er ist.
Treffpunkt: Toscanaparkplatz bei der Einfahrt zur Orterbucht um 14 Uhr 15″
Organisatoren der Petition 

STOPPT DIE ABHOLZUNG BEIM TOSKANAPARK

Für alle Beteiligten gilt die Unschuldsvermutung