TEIL 1

In den letzten 12 Monaten erreichten uns über 150 Emails! zum Thema “Der Bauwahnsinn” in Gmunden.
Einzelfälle, Hinweise, Leserbriefe und vieles mehr. Nach bestem Wissen und Gewissen wurden Recherchen angefertigt. Bitte um Verständnis, dass die Redaktion nicht allen Hinweisen nachgehen konnte. Einige Highlights wollen wir in unserer mehrteiligen Beitragsreihe veröffentlichen.

Bürgermeister: Stefan Krapf (ÖVP) seit 26. November 2014
Amtsleiter: Heimo Pseiner seit 2011
Bauabteilung: Günter Laska seit 2005
Einwohner: 13.226 (1.9.2013) – 13.203 (1.1.2021) 

Gmunden Nachrichten Fakten Korruption Oberösterreich

„Wohnungen in Hülle und Überfülle“

“Schon seit 2017 liegt die Wohnungsproduktion über dem Bedarf. Von der Haushaltsentwicklung hat sich der Wohnbau völlig entkoppelt. In den Bundesländern gibt es laut OeNB-Ökonomen Martin Schneider sowieso schon eine massive Überproduktion an Wohnraum von 20.000 bis 30.000 Wohneinheiten pro Jahr (!). “Bis 2022 wird sich das auf ein gesamtes Überangebot von rund 66.000 Wohneinheiten summieren.”

Quelle: Der Standard, 13. Juli 2021

Wie sieht es in Gmunden aus?!

In der ORF Sendung ECO wurde Gmundens Sportbürgermeiser und sein “friends forever” Spezl Steinkogler – der Immobilienmakler aus Altmünser – interviewt.

Alles Super! BG Krapf freut sich darüber, dass die Zweitwohnsitze in Gmunden sogar um ca. 4% zurückgegangen(?!) sind, außerdem bringen die “Zweitwohnsitzler” Geld und sind herzlich willkommen! Auch der Makler strahlt über beide Ohren, die Wohnungen sind derzeit so teuer, dass er seine Freude vor der Kamera kaum verbergen kann. Dieser Makler ist übrigens besonders schlau, denn er “hat” nicht nur einen Bürgermeister sondern auch eine Hausverwaltungsfirma.

Obwohl die Einwohnerzahl gesunken ist und an jeder Ecke gebaut wird, sind die Zweitwohnsitze angeblich gesunken, wie geht das?

Copyright: Facebook

Örtliches Entwicklungskonzept der Architekten Hinterwirth mit fast allen fertiggestellten, laufenden und geplanten Baustellen der Ära BG Stefan Krapf

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Dr.-Franz-Thomas-Straße –
OÖ Wohnbau Gesellschaft für den Wohnungsbau gemeinnützige GmbH

11 frei finanzierte Wohneinheiten

Architekt: kb+I architektur-ZT (Architekt Kaindl war jahrelang im Bauausschuss – sehr praktisch)

“Gegenüber dem Toscanapark errichtet die OÖ Wohnbau eine Wohnanlage mit elf frei finanzierten Wohnungen. Der Baukörper wird zweigeschoßig mit je fünf Wohneinheiten und mit einem zurückgesetzten Dachgeschoß mit einer Penthouse-Wohnung ausgeführt.”

Interessant?! “Es wird eine gemeinsame Tiefgarage mit 26 Stellplätzen errichtet.” Über die Strasse befindet sich ein Stück Auwald der für einen Parkplatz (siehe Punkt 6.) gerodet werden soll, die Gemeinde und der Bürgermeister liessen verkünden, dass ein Parkdeck auf dem bereits bestehenden Toscana Parkplatz wegen einer 10 Meter Fundamentierung nicht ökologisch ist. Der Umweltanwalt und das Umweltministerium sehen das anders. Fundamentierung bei der Tiefgarage der OÖ Wohnbau ist kein Problem.

Übrigens was ist der OÖ Wohnbau überhaupt?!

Auf der Homepage liest man: “Wir schaffen leistbaren Wohnraum für Menschen in Oberösterreich und tragen zur nachhaltigen Entwicklung der Gemeinden bei. Unser Angebot im Wohnbau reicht von geförderten Mietwohnungen, Mietkaufwohnungen, Doppelhausanlagen bis hin zu geförderten und frei finanzierten Eigentumswohnungen.”

“leistbarer Wohnraum & nachhaltige Entwicklung”, oder wie?!

Interessant?! 6 Wohnungen des neuen Projektes sind bereits verkauft. 2 Wohnungen und 9 Parkplätze! sowie der Kaufpreis von ca. 1,8 Mio. EUR gehen an den Vorbesitzer der Liegenschaft, Mitbesitzer eines Pflegeunternehmens, dessen Lebensgefährtin zufällig bei der OÖG (Oberösterreichischen Gesungheitsholding) in Vöcklabruck eine leitende Position hat. Weitere zukünftige Bewohner sind z.B. eine Ärztin mit einer Praxis an einer Topadresse in Linz, eine Angestellte der AUVA (Allgemeine Unfallversicherungsanstalt) aus Wien, sowie weitere Herrschaften aus Brunn und Laakirchen.

(5 Wohnungen sind noch zu haben)

Frei finanziertes Wohnen für den Zweitwohnsitz würde eher zutreffen?! Auf der Homepage des OÖ Wohnbaus rühmt man sich mit einem Sauessen. Gratis Werbung mit Bürgermeisterauftritt gibt es in der Bezirksrundschau.

Quelle: OÖ Wohnbau 

Vielleicht war das ein Einzelfall? Weiter geht’s…

2

Gartengasse 20 & 20a – WSO Gemeinnützige Bau- u. Wohnungsges.mbH

11 frei finanzierte Eigentumswohnungen

Architekt: kb+I architektur-ZT (jahrelang im Bauausschuss – immer die gleichen?! werden zufällig besonders gerne auch von der Gemeinde beauftragt)

Einwendungen der Anrainer (4 Parteien)*
*
Protokoll der öffentlichen Sitzung des GR 24.05.2018

Interessant?! Wieder nichts mit Gemeinnützigkeit am See. 2 Wohnungen und 4 Parkplätze zusammen mit dem Verkaufspreis von 2,1 Mio EUR gehen an den Vorbesitzer und gleichzeitig den Inhaber des Architektenbüros (Herrn Kaindl) welches den Bau geplant hat. Rein zufällig saß dieser Herr jahrelang im Bauausschuss. Eine Wohnung geht an die 25-jährige Assistentin der Geschäftsführung der Nebenfirma des Architekten und eine an den befreundeten Augenarzt aus Gmunden. 

(7 Wohnungen sind noch zu haben, nicht gefördert versteht sich)

3

Villa Natter – WAG Wohnungsanlagen Gesellschaft m.b.H

20 Eigentumswohnungen (nicht gefördert natürlich)

Foto: Mark Sengstbratl

“In prominentester Lage – nahezu direkt am Wasser – bettet sich die Wohnanlage am Anfang der Esplanade ein. Der Weg war kein einfacher, doch Anfang 2016 konnte die Baugenehmigung erwirkt und anschließend als Projekt an die renommierte Linzer Genossenschaft WAG verkauft werden.”

Wohnungskäufer aus: 

Wien – 3, Klosterneuburg – 2, Perchtoldsdorf bei Wien – 2, Linz – 2, Kircham – 2, Schlierbach – 1, Kundl – 1, Traun – 1, Wels – 1,  Altmünster – 1, Gmunden – 4

16 : 4

Interessant?! Ein Unternhemer aus Kircham hat gleich 2 Wohnungen und 4 Parkplätze in dieser schönen Lage erworben, 2 Immo-Trust Firmen sind hier auch als Eigentümer zu finden. Eine Beteiligungsfirma die ebenfalls an dieser Adresse im Dachgeschoss beheimatet ist gehört einem Geschäftsmann aus Altmünster der bereits 2010 eine 25 Mio. EUR Pleite hingelegt hat. Im Vorstand seiner Privatstiftung findet man den kronloyalen ÖVP-Gemeinderat und langjärigen Bauausschuss-Vorsitzenden, der sich vor kurzem zurückgezogen hat. Auf der Homepage der Beteiligungsfirma des Altmünsterers wird der Herr Baustadtrat „Cheezy“ Kassmannhuber und seine Firma PRO.duktionsberatung als Partner angeführt. Ja genau, der Kassmannhuber, der die letzten Jahre fast jedes Bauvorhaben lobbyiert hat und von der (nicht mehr zur Wahl antretenden) Bürgerinitiative Gmunden, auf die ÖVP-Liste wechselt!!! 

4

 Seeresidenz Danninger – Touristischer Betrieb – Adults Only 

11 Appartements

Sehr interessant?! 

Am 05.03.2018 wurde vom mittlerweile verstorbenen Anrainer, Prof. Dr. Attila Dunky, folgende Stellungnahme zur Umwidmung und Bauvorhaben abgegeben:

“…7. Gemäß dem im öffentlichen Grundbuch aufliegenden Kaufvertrag vom 14.11.2017 hat die Danninger Immobilien & Verwaltungs GmbH die Liegenschaft EZ 101 KG 42150 Ort-Gmunden um ca. EUR 4.131.700,00 erworben.

Gemäß dem im öffentlichen Firmenbuch zu FN 476717 f aufliegenden Gesellschaftsvertrag der Danninger Immobilien & Verwaltungs GmbH ist deren Unternehmensgegenstand insbesondere der Kauf von Immobilien und ähnlichen Rechten, deren Errichtung Entwicklung und Verwertung.

Jedem Betrachter mit auch nur geringsten kaufmännischen Kenntnissen muss ins Auge springen, dass die angeblichen Absichten der Antragstellerin mit hoher Wahrscheinlichkeit nur vorgegeben sind. Schließlich ist mit absoluter Sicherheit auszuschließen, dass aus der von der Antragstellerin angeblich beabsichtigten Vermietung von einer Hand voll Zimmern die getätigte Kaufinvestition jemals ins Verdienen gebracht werden kann. Lebensnahe ist in Anbetracht des bereits erwähnten Unternehmensgegenstandes der Antragstellerin (siehe oben: “Entwicklung und Verwertung von Liegenschaften”) also, dass die gewünschte Änderung des Flächenwidmungsplanes lediglich die nachmalige gänzlich andere Liegenschaftsnutzung ermöglichen soll.

Jedenfalls kann aus meiner Sicht die Ermöglichung eines augenscheinlich wirtschaftlich desaströsen kaufmännischen Vorhabens (Einbau von einigen zu vermietenden Zimmern) keine taugliche Grundlage für die Annahme eines öffentlichen Interesses an einer Flächenwidmungsplanänderung darstellen…” 

In den Punkten 8. und 9. verweist der Anreiner auf die HQ30 wiederkehrenden Hochwässer und dass der vorgelagerte Uferbereich bzw. Schilfgürtel dem Naturschutz anheim gestellt ist er hält außerdem fest, dass sich die Behörde mit diesem Thema bis dato nicht auseinandergesetzt hat. (Kommt Ihnen das bekannt vor? Siehe Punkt 5. u. 6.)

Hat der verstorbene Anreiner recht behalten? Was sagen die Finanzzahlen:

Eingetragenes Pfandrecht
Höchstbetrag 4.600.000,00 EUR

(was sich die Bank wohl dabei gedacht hat?!)

Danninger Immobilien & Verwaltungs GmbH (FN 476717) BILANZ: 

Bilanzverlust 2020 -617.060,82 EUR

(Bilanzverlust 2019: -459.843,86 EUR, Bilanzverlust 2018: -292.080,82 EUR)

Verbindlichkeiten 2020: 7.259.725,58 EUR

Auf TripAdvisor findet sich eine einzige Bewertung:

Spitze, dass Herr Danninger so eine Sportskanone ist und beim Herrn “Bauamt-Kaiser” Günter Laska (Obmann von SV Gmundner Milch) so lange als “Defensivspezialist, die Defensive verstärkt”. Nichts gegen Fussball!

Was wird nach der Wahl mit diesem Tourismusbetrieb, gleich neben dem Landschloss Ort, passieren? Werden die Immobilien “verwertet” und 11 Appartments (die ohne touristischer Widmung nie in dieser Form hätten umgesetzt werden können) am Ufer des Naturschutzgebietes Orther Bucht abverkauft?

1:0?

5

Hotelprojekt Landschloss Ort 

Weil die Tourismusbetriebe so „florieren“ und einer nach dem anderen zusprerrt, plant man gleich zwei Großhotels, eines davon  hier, am schönsten Fleck Gmundens. Komplette Intransparenz herrscht auch bei diesem besonders wichtigsten Projekt.

Obwohl bereits alle Bauverhandlungen vorbei sind, werden der Investor und der Betreiber weiterhin geheim gehalten.

Dieses Vorhaben, samt Projektwerber und Invostor, wurde bereits in 3 Artikeln von der Redaktion unter die Lupe genommen.
Die Beiträge können online unter der Rubrik „Ein Hoteldrama in sieben Streichen“ nachgelesen werden.

6

Parkplatz Toscana

Gehört zum oben erwähnten Hotelprojekt und hat für viel Aufsehen und Bürgerwiderstand gesorgt. 5.855m² Wald sollen für 227 private PKW Stellplätze gerodet werden. Auch diese Geschichte finden Sie in 3 Artikeln online.

Fortsetzung folgt…